mfs uhaftanstalten

Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) e.V.

Gemeinschaft der Verfolgten und Gegner des Kommunismus

Landesgruppe Thüringen

Landesvorstand



Haftanstalten der Staatssicherheit

 

Quelle: Beleites Johannes: Abteilung XIV: Haftvollzug, In: MfS-Handbuch, Teil III/9, Berlin 2004, S. 58-63

 

Ministerium Berlin

 

Haftanstalt Albrechtstraße

In der Anfangszeit des MfS, als noch keine eigenständige Gefängnisabteilung existierte, nutzte die Untersuchungsabteilung den ehemaligen Hochbunker an der Ecke Reinhardtstraße/Albrechtstraße nördlich vom Bahnhof Friedrichstraße im Berliner Bezirk Mitte als Untersuchungshaftanstalt sowie auch für Vernehmungen.

 

Untersuchungshaftanstalt I des Ministeriums und Strafarbeitslager („Lager X“), Berlin-Hohenschönhausen

Nach Auflösung des sowjetischen Speziallagers Nr. 3 im Oktober 1946 wurde das Gelände zunächst als sowjetisches Untersuchungsgefängnis in der SBZ genutzt. Die Keller der ehemaligen Großküche der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ (NSV) wurden zu fensterlosen Zellen umgebaut – es entstand das berüchtigte „U-Boot“. Seit 1951 war hier die Untersuchungshaftanstalt I des MfS untergebracht. Im Norden unmittelbar angrenzend befand sich bis Mitte der siebziger Jahre das vom MfS betriebene „Lager X“ – ein Haftarbeitslager für bis zu 900 strafgefangene Männer. Diese mussten Ende der fünfziger Jahre drei in Hufeisenform angelegte und miteinander verbundene Neubauten auf dem Gelände der Untersuchungshaftanstalt errichten: einen neuen Zellentrakt, der im Keller über zwei Gummi-Dunkelzellen verfügte, ein Mehrzweckgebäude und einen Vernehmertrakt, in dem die Häftlinge den oft stundenlangen Verhören unterzogen wurden. Das „U-Boot“, bis dahin der eigentliche Zellenbau, wurde dann nur noch vereinzelt zur Isolationshaft genutzt und diente nun hauptsächlich als Lager- oder Materialraum. Im Zuge der Baumaßnahmen des MfS wurden zudem zwei neue Freiganghöfe errichtet, und die frühere Wäscherei der NSV-Großküche wurde zu einem Haftkrankenhaus – dem einzigen des MfS – umgebaut. Die Untersuchungshaftanstalt befand sich inmitten eines weiträumigen Sperrgebietes, in dem verschiedene Abteilungen des MfS tätig waren. Die Gebäude im Bereich der Untersuchungshaftanstalt waren zugleich Sitz der selbstständigen MfS-Abteilung XIV sowie der Hauptabteilung IX des MfS.

 

Untersuchungshaftanstalt II des Ministeriums, Berlin-Lichtenberg, Magdalenenstraße

Die selbstständige Abteilung XIV des MfS betrieb noch ein weiteres Gefängnis, die Untersuchungshaftanstalt II in der Magdalenenstraße, in unmittelbarer Nähe zum Sitz des Ministeriums in der Berliner Normannenstraße. Eine besondere Bedeutung hatte das von den Häftlingen als „Magdalena“ bezeichnete Gefängnis unter anderem deshalb, weil hier auch die Besuchstermine und „Anwaltssprecher“ für die Häftlinge aus Berlin-Hohenschönhausen stattfanden. Außerdem wurden hier sämtliche Diplomatenbesuche bei ausländischen und bundesdeutschen Untersuchungshäftlingen aller MfS-Gefängnisse der DDR zentral durchgeführt.

 

Bezirksverwaltung Berlin

Das Gefängnis in der Kissingenstraße in Berlin-Pankow wurde 1907 als Amtsgerichtsgefängnis errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch diese Haftanstalt zunächst von der sowjetischen Besatzungsmacht genutzt. Als Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Berlin (bis 1976 „Verwaltung Groß-Berlin“) verfügte sie über 58 Zellen und war für etwa 120 Häftlinge vorgesehen. Außerdem gab es noch ein verhältnismäßig großes Strafgefangenenarbeitskommando, in dem insgesamt fast 40 strafgefangene Männer und Frauen untergebracht waren. Ihnen oblagen nicht nur die anfallenden Reinigungs-, Versorgungs- und Instandhaltungsarbeiten für die Untersuchungshaftanstalt, sie führten auch handwerkliche Dienstleistungen für Mitarbeiter der Bezirksverwaltung Berlin aus.

 

Bezirksverwaltung Rostock

Die Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Rostock des MfS wurde in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre gebaut und zählt neben dem Neubau in Berlin-Hohenschönhausen zu den ersten speziell vom MfS errichteten Gefängnissen. Bis zum Bezug des Gefängnisses im Jahre 1959 nutzte die Bezirksverwaltung Rostock das Gebäude des „Rostocker Hofs“ in der Kröpeliner Straße (damals Blutstraße, später Stalinstraße) als Sitz der Bezirksverwaltung und als Untersuchungshaftanstalt. Das neue Gefängnis befand sich im Innenhof der Bezirksverwaltung zwischen August-Bebel-Straße, Hermannstraße, Augustenstraße und Grüner Weg. Für die Häftlinge bedeutete diese Lage eine verstärkte Isolation. Mit 52 Zellen war die Haftanstalt für etwas mehr als 110 Gefangene konzipiert; in den achtziger Jahren war die Untersuchungshaftanstalt durchschnittlich mit 50 Häftlingen belegt. Neben den Untersuchungshäftlingen existierte noch ein aus vier Männern und zwölf Frauen bestehendes Strafgefangenenarbeitskommando, das vor allem die Küche, Reinigung und Instandhaltung der Haftanstalt besorgte.

 

Bezirksverwaltung Schwerin

Die Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Schwerin des MfS befand sich an einem historischen Ort, im ehemaligen Hafttrakt des Justizgebäudes am Demmlerplatz, das 1914 bis 1916 errichtet wurde. 1945 wurde das Justizgebäude zunächst Sitz des sowjetischen Geheimdienstes. In den fünfziger Jahren übernahm das MfS das Gebäude und richtete hier die Bezirksverwaltung Schwerin ein. Der vorhandene Hafttrakt wurde fortan bis Ende 1989 als Untersuchungshaftanstalt genutzt. Das vierstöckige Gefängnis war für 150 Häftlinge ausgelegt. In der Regel waren zumindest ab den sechziger Jahren hier jedoch weitaus weniger Häftlinge untergebracht, sodass meist nur zwei Etagen genutzt wurden. Neben den Untersuchungsgefangenen gab es auch in Schwerin ein aus etwa fünf Männern und zehn Frauen bestehendes Strafgefangenenarbeitskommando für die anfallenden Hausarbeiten.

 

Bezirksverwaltung Neubrandenburg

Bis 1981 hatte die Bezirksverwaltung des MfS für den Bezirk Neubrandenburg ihren Sitz in Neustrelitz. Auf dem Gelände der Bezirksverwaltung in Neustrelitz war auch die Untersuchungshaftanstalt der dortigen Abteilung XIV untergebracht. Nach 1981 befand sich zunächst nur die Bezirksverwaltung in einem Neubau in Neubrandenburg; 1987 zogen dann auch die bis dahin noch in Neustrelitz verbliebenen Abteilungen IX und XIV in den Geländekomplex der neu errichteten Untersuchungshaftanstalt in Neubrandenburg.

Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Neubrandenburg in Neustrelitz

Die Untersuchungshaftanstalt Neustrelitz war eine kleine, um die Jahrhundertwende erbaute Haftanstalt mit einfachsten sanitären sowie räumlich sehr beengten Verhältnissen. Die für die Untersuchungshaftanstalt zuständige Abteilung XIV hatte 1965 lediglich 21 Mitarbeiter; Anfang der achtziger Jahre waren es 32 Mitarbeiter. Spätestens seit 1966 wurde im Rahmen der Planung der Verlagerung der Bezirksverwaltung von Neustrelitz nach Neubrandenburg auch über einen Gefängnisneubau dort nachgedacht, sodass dringend erforderliche Modernisierungen immer wieder aufgeschoben wurden. Erst Ende 1972 erhielten die Zellen Waschbecken und Toiletten. Im Jahre 1966 waren im Durchschnitt gleichzeitig etwa 20 Häftlinge in der Untersuchungshaftanstalt; in den siebziger Jahren stieg deren Zahl an. Das Gefängnis konnte im Normalfall 45 Häftlinge aufnehmen.

Neubau der Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Neubrandenburg in Neubrandenburg

Schon Mitte der sechziger Jahre war die Verlegung der Bezirksverwaltung des Bezirkes Neubrandenburg (einschließlich der Untersuchungshaftanstalt) von Neustrelitz nach Neubrandenburg geplant, aber erst 1983 wurde dort mit dem Neubau der Untersuchungshaftanstalt begonnen, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur neu errichteten und schon 1981 bezogenen Hauptdienststelle der Bezirksverwaltung Neubrandenburg befand. Erstmals wurde eine Untersuchungshaftanstalt als Plattenbau errichtet. Der Gefängnisneubau gliederte sich in einen Zellenbau mit einer Kapazität für 134 Untersuchungsgefangene (2 Etagen mit je 33 Zellen) und 60 Strafgefangene (1 Etage), einen Verwaltungstrakt für die Abteilungen IX und XIV und Besucherräume sowie ein Gebäude für die Beschäftigung eines besonderen Strafgefangenenarbeitskommandos. In letzterem sollten zentral für die gesamte DDR verurteilte MfS-Mitarbeiter, besonders zu isolierende verurteilte Angehörige von NVA, MdI, VP, Zoll und Staatsanwaltschaft, „operativ bedeutsame Strafgefangene aus den zentralen Staatsorganen und der Volkswirtschaft“ sowie verurteilte Familienmitglieder der genannten Gruppen konzentriert werden. Im Jahre 1987 waren durchschnittlich 45 Untersuchungs- und 29 Strafgefangene untergebracht. Die Abteilung XIV war 1988/89 – vor allem wegen des besonderen Strafgefangenenarbeitskommandos – mit mehr als 60 Mitarbeitern (nach Halle und Karl-Marx-Stadt) die drittgrößte Abteilung XIV auf Bezirksebene.

 

Bezirksverwaltung Potsdam

Seit Herbst 1952 betrieb die Bezirksverwaltung Potsdam ihre Untersuchungshaftanstalt im ehemaligen Gerichtsgefängnis in der Lindenstraße 54 (später Otto-Nuschke-Straße) mitten in Potsdam und im Gegensatz zu anderen Bezirken nicht in unmittelbarer Nähe zur Bezirksverwaltung. Seit 1817 hatte hier das Potsdamer Stadtgericht seinen Sitz; seitdem gab es hier auch eine Haftanstalt. Das heute noch zu besichtigende Gefängnis stammt aus dem Jahr 1909. Bei 40 Zellen wurde für die Untersuchungshaftanstalt eine Kapazität zwischen 90 (1989) und 110 (1981) Untersuchungshäftlingen angegeben. Als tatsächliche Belegung sind für 1984 53 und für 1982 30 Untersuchungsgefangene genannt. Daneben gab es ein etwa zwanzigköpfiges Strafgefangenenarbeitskommando für Werterhaltungs- und Versorgungsarbeiten in der Untersuchungshaftanstalt. Außerdem wurden in einer Näherei, einer Tischlerei und einer Schlosserei von den Strafgefangenen auch Dienstleistungen für andere Abteilungen der Bezirksverwaltung Potsdam durchgeführt.

 

Bezirksverwaltung Frankfurt/Oder

Gebäudekomplex Collegienstraße 10 (früher Große Oderstraße 67)

Von etwa 1950 bis 1969 unterhielt hier die Bezirksverwaltung Frankfurt/Oder eine Untersuchungshaftanstalt. Nachdem das MfS unweit der Bezirksverwaltung Frankfurt in der Otto-Grotewohl-Straße 53 einen Haftanstaltsneubau errichtete, wurde der alte Bau in der Collegienstraße dem Ministerium des Innern übergeben, das ihn als Untersuchungshaftanstalt neben jener in der Gartenstraße weiter betrieb. In den Zellen gab es keine Toiletten, sondern lediglich Kübel zur Verrichtung der Notdurft. 1964 waren zwei Stationen mit durchschnittlich insgesamt 53 Untersuchungshäftlingen belegt. Neben den Untersuchungsgefangenen gab es auch ein Strafgefangenenarbeitskommando, das in einer Wäscherei, einer Schneiderei, der Küche und mit Reinigungsarbeiten beschäftigt wurde. Die Untersuchungshaftanstalt diente bis 1952 auch als Hinrichtungsstätte. Belegt sind von 1950 bis 1952 zwölf Hinrichtungen durch das Fallbeil, darunter von sechs Personen, die im Prozess zur Köpenicker Blutwoche zum Tode verurteilt wurden. Am 10. November 1950 wurde das Todesurteil gegen drei Mitglieder der so genannten Gladow-Bande vollstreckt.

Neubau Otto-Grotewohl-Straße 53

Nach der Untersuchungshaftanstalt in Rostock und dem Neubau in Berlin-Hohenschönhausen dürfte die Untersuchungshaftanstalt in der Otto-Grotewohl-Straße 53 der dritte Gefängnis-Neubau des MfS gewesen sein. Gegenüber der alten Haftanstalt bedeutete der Umzug für die Häftlinge einen bedeutenden Fortschritt: Die Zellen hatten eine Toilette, ein Waschbecken sowie fließend warmes und kaltes Wasser. Es waren bessere Heizungs-, Licht- und Entlüftungsverhältnisse geschaffen worden; gleichzeitig war jedoch auch „umfangreiche operative Technik für jeden Haftraum“ eingebaut worden. Die Kapazität war für 142 Häftlinge ausgelegt. Im Höchstfall konnten sogar 420 Häftlinge „verwahrt“ werden. Die realen Zahlen lagen jedoch deutlich niedriger. Mitte der achtziger Jahre lag die durchschnittliche Belegung bei 35 Häftlingen. Außerdem gab es ein verhältnismäßig großes Strafgefangenenarbeitskommando von bis zu 31 Strafgefangenen, die auch für Dienstleistungen innerhalb der Bezirksverwaltung (Wäscherei, Kfz-Pflege und -Instandsetzung, Tischler-, Maurer- und Schlosserarbeiten) eingesetzt wurden.

 

Bezirksverwaltung Cottbus

Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Cottbus

Die Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Cottbus befand sich gut abgeschirmt zwischen Kreisgericht, Bezirksverwaltung und KD für Staatssicherheit nahe der Spree. Das MfS hatte das Gebäude übernommen; vermutlich handelt es sich ebenfalls um ein ehemaliges Gerichtsgefängnis. Mit 50 Zellen war es für etwa 100 Untersuchungshäftlinge konzipiert. Außerdem gab es immer ein Strafgefangenenarbeitskommando von etwa drei Männern und sieben Frauen (die Zahlen variieren leicht) für Arbeiten innerhalb der Haftanstalt. Die Häftlinge waren bis Ende der siebziger Jahre unter primitivsten Bedingungen untergebracht: Erst 1977 erhielten die Zellen Toiletten und Waschbecken, und in die Haftanstalt wurden Duschräume eingebaut. Im Jahre 1987 schließlich wurde das Haus II, der ehemalige Sitz der Spezialkommission der Abteilung IX, von der Abteilung XIV übernommen und als Besuchertrakt ausgebaut.

 

Bezirksverwaltung Magdeburg - Magdeburg-Sudenburg

Vor der Übernahme der Untersuchungshaftanstalt in Magdeburg-Neustadt durch das MfS wurden politische Häftlinge in der Haftanstalt Magdeburg-Sudenburg festgehalten. Von Juli 1945 bis Mai 1949 war sie sowjetisches Militärgefängnis, in dem sowohl sowjetische Soldaten und Offiziere als auch aus politischen Gründen inhaftierte Deutsche untergebracht wurden. Mindestens seit Oktober 1950 wurde ein Teil der Haftanstalt in Magdeburg-Sudenburg als Untersuchungshaftanstalt des MfS genutzt.

Untersuchungshaftanstalt Magdeburg-Neustadt, Moritzplatz

Erst 1957 kam das im Jahr 1876 als „Königlich-Preußisches Amtsgericht und Polizeigefängnis in Neustadt bei Magdeburg“ errichtete Gebäude in die Zuständigkeit der Magdeburger Bezirksverwaltung und wurde deren Untersuchungshaftanstalt. Zuvor war es von der sowjetischen Besatzungsmacht, von der Justizverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt, später bis 1956 von der Verwaltung Strafvollzug des MdI genutzt. Es handelte sich um eine eher kleine Untersuchungshaftanstalt mit 27 Zellen für 59 Untersuchungshäftlinge und 24 Strafgefangene. Die Zellen waren zuletzt mit Toiletten, Waschbecken, einem kleinen Wandschrank und Holzbetten ausgestattet. Eine Arrestzelle (Dunkelzelle) befand sich im Keller. Außerhalb gab es fünf mit Maschendraht überspannte Freiboxen. Die Strafgefangenen arbeiteten in einer Schlosserei, einer Tischlerei, einer Wäscherei, einer Kfz-Werkstatt, der Küche und sogar einer Gärtnerei.

 

Bezirksverwaltung Halle

Der von 1836 bis 1842 als „Königlich-Preußische Straf-, Lern- und Besserungsanstalt“ errichtete Komplex wurde nach 1945 vom sowjetischen Geheimdienst als Untersuchungshaftanstalt und Gerichtsgebäude genutzt. 1950 wurden Teile des Gebäudekomplexes an die DDR-Justiz übergeben, die hier vorübergehend eine Außenstelle des Zuchthauses Torgau einrichtete. Ab Oktober 1950 nutzte auch das MfS die im Volksmund „Roter Ochse“ genannte Liegenschaft. Zwei Jahre später wurden mehrere Gebäude des Gefängnisses Am Kirchtor 20 a–d als Untersuchungshaftanstalt des MfS weitergeführt, während der größere Teil des Komplexes dem normalen Strafvollzug des MdI diente. Zuletzt wurde vom MfS eine Größe der Untersuchungshaftanstalt von 72 Zellen für 181 Untersuchungs- und 20 Strafgefangene angegeben.

 

Bezirksverwaltung Erfurt

Die Erfurter Untersuchungshaftanstalt der dortigen Bezirksverwaltung befand sich in deren unmittelbarer Nähe in der Andreasstraße 37. Das 1880 erbaute und 1986/87 erweiterte Gefängnis wurde – wie in keiner anderen Bezirksverwaltung – gemeinsam mit der Volkspolizei genutzt; das MfS hatte Zellen in der ersten und zweiten Etage. Ende der achtziger Jahre wurde bei 43 Mitarbeitern der Abteilung XIV eine Belegungskapazität von 96 Untersuchungshäftlingen und 8 Strafgefangenen angegeben. Insbesondere 1989 reichte die Haftanstalt für die „Bedürfnisse“ der Bezirksverwaltung Erfurt nicht mehr aus: MfS-Häftlinge wurden daher auch in den Untersuchungshaftanstalten der Verwaltung Strafvollzug des MdI in Weimar und Gotha untergebracht. Zuvor wurde die durchschnittliche Belegung mit 35 Untersuchungshäftlingen angegeben.

 

Bezirksverwaltung Gera

Das Gebäude der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Gera wurde im Jahre 1999 abgerissen. Es befand sich im Stadtzentrum Geras, am Amthordurchgang 5, früher angrenzend an die Bezirksverwaltung Gera, das Bezirksgericht und die Staatsanwaltschaft, und verfügte über 36 Zellen für maximal 78 Untersuchungshäftlinge sowie 10 Strafgefangene. Es handelte sich um einen rekonstruierten Altbau, in dem zuletzt rund 40 Mitarbeiter der Abteilung XIV tätig waren. Außerdem hatte hier auch die Abteilung IX ihren Sitz und führte die Vernehmungen der Häftlinge durch. Traurige Bekanntheit erlangte die Haftanstalt durch den Tod des Jenaer Oppositionellen Matthias Domaschk, der hier am 12. April 1981 nach stundenlangen Vernehmungen unter bis heute ungeklärten Umständen zu Tode kam.

 

Bezirksverwaltung Suhl

Das von der Bezirksverwaltung Suhl als Untersuchungshaftanstalt genutzte Gefängnis wurde zwischen 1856 und 1859 als preußisches Amtsgerichtsgefängnis Suhl erbaut. Die Geschichte der politischen Haft begann spätestens 1937: Bis 1945 nutzte die Gestapo-Leitstelle Weimar mit ihrer Dienststelle Suhl das Gefängnis als Haftanstalt für politische Gefangene. Nach dem Einmarsch der Roten Armee übernahm der sowjetische Geheimdienst das Gefängnis bis 1948 als Haftanstalt für politische Gegner. Das MfS schloss sich ab 1953 dieser „Tradition“ an. Mitte der achtziger Jahre beschloss das MfS aus Kapazitätsgründen den Bau einer neuen Untersuchungshaftanstalt in Suhl-Goldlauter. In sozialistischer Plattenbauweise wurde dieser Neubau auch errichtet; das Ende des MfS kam jedoch seiner Einweihung zuvor. In der alten Untersuchungshaftanstalt konnten 54 U-Häftlinge in 26 Zellen sowie 20 Strafgefangene untergebracht werden.

 

Bezirksverwaltung Leipzig

Die Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Leipzig befand sich inmitten eines großen Justiz- und Gefängniskomplexes gegenüber dem ehemaligen Reichsgericht zwischen Dimitroff-, Harkort- und Beethovenstraße sowie dem Petersteinweg. Die umliegenden Gebäude waren von der Bezirksstaatsanwaltschaft, der Volkspolizei, dem Bezirksgericht sowie deren nachgeordneten Behörden belegt. Lediglich in einem Gebäude befanden sich – vom MfS als Risikofaktor betrachtet – die Handelshochschule sowie eine Mensa der Karl-Marx-Universität Leipzig. Das eigentliche Gefängnis wurde im Jahre 1880 nach einem Entwurf des Architekten Hugo Licht erbaut. 1960 entstand ein Vernehmergebäude, und 1971 wurde zugunsten der Abteilung IX das Zellenhaus aufgestockt. Es gab die Möglichkeit eines direkten Zugangs vom Volkspolizeirevier: Ahnungslose spätere Häftlinge wurden „zur Klärung eines Sachverhalts“ mitunter zur VP, Zimmer 111, bestellt – und kamen so direkt in die MfS-Haftanstalt. Unmittelbar angrenzend befand sich eine Strafvollzugseinrichtung des MdI. Bis mindestens 1955 wurden neben der Haftanstalt in der Beethovenstraße auch noch einzelne Zellen im Gelände einer vom MfS genutzten früheren Fabrikantenvilla in Leipzig-Leutzsch betrieben. Aus dem Jahr 1955 ist für die Abt. XIV eine Häftlingszahl von 81 überliefert. 1988 wird eine Durchschnittsbelegung von 45 Untersuchungshäftlingen angegeben. Die Kapazität der Untersuchungshaftanstalt in der Beethovenstraße betrug 98 Untersuchungshäftlinge und 22 Strafgefangene. Die Strafgefangenen arbeiteten in der Tischlerei, der Schlosserei, der Wäscherei, der Küche und waren für die Reinigung der Haftanstalt zuständig.

 

Bezirksverwaltung Dresden

Die Gebäude des MfS an der Bautzener Straße in Dresden haben eine bedrückende Geschichte. Bereits 1945 wurden sie, wie auch mehrere auf der gegenüberliegenden Seite befindliche Bauten, vom sowjetischen Geheimdienst als Untersuchungsgefängnis und Gerichtsort (wie auch das Gefängnis Münchner Platz) genutzt. Anfang der fünfziger Jahre begann das MfS an dieser exponierten Stelle in Dresden mit der Errichtung seiner Bezirksverwaltung. Der von der Roten Armee übernommene Gebäudekomplex liegt wie eine Festung über der Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft der Residenzschlösser. In 45 Zellen konnten bis zu 90 Gefangene „verwahrt“ werden; 1989 waren dafür 56 Mitarbeiter der Abteilung XIV zuständig. 23 Männer und 6 Frauen (1983) bildeten außerdem ein Strafgefangenenarbeitskommando, das neben Versorgungs- auch Instandhaltungsarbeiten in der Untersuchungshaftanstalt und der Bezirksverwaltung durchführte. Ende April 1983 wurde eine Belegung von 64 Untersuchungsgefangenen angegeben.

 

Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt und Objektverwaltung „W“ (Wismut)

Genaue Daten über eine Untersuchungshaftanstalt des MfS in Chemnitz aus den frühen fünfziger Jahren sind bisher nur schwer ermittelbar. Ab 1953 ist eine „U-Haftanstalt II“ des MfS in der Hartmannstraße 24 nachweisbar. Seit 1957 betrieb die Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt ihre Untersuchungshaftanstalt in der Kaßbergstraße 12, einem großen Gefängnisgebäude, dessen anderer Flügel dem MdI als Untersuchungshaftanstalt (damals Dr.-Richard-Sorge-Straße, heute Hohe Straße) diente. Bis Ende 1962 wurde, vermutlich im gleichen Gefängniskomplex, auch eine eigene Untersuchungshaftanstalt der selbstständigen Objektverwaltung „W“ (Wismut), die für die Uran fördernde Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut zuständig war, betrieben. Bis dahin war für die Strafverfolgung in diesem Bereich auch ein so genannter Bergbaustaatsanwalt zuständig. Eine besondere Bedeutung erlangte die Untersuchungshaftanstalt Karl-Marx-Stadt ab Ende der sechziger Jahre, weil hier die Transporte der von der Bundesrepublik freigekauften Häftlinge zusammengestellt wurden. Wahrscheinlich waren Größe und bauliche Gegebenheiten ausschlaggebend für die Auswahl von Karl-Marx-Stadt. Die Unterbringungs- und Verpflegungsbedingungen waren deutlich besser als in den anderen Untersuchungshaftanstalten des MfS bzw. als im Strafvollzug des MdI. Die Kapazität der Haftanstalt wurde 1989 mit 163 Zellen für 329 Untersuchungshäftlinge angegeben. Außerdem war Platz für 16 Männer und 25 Frauen eines Strafgefangenenarbeitskommandos vorgesehen. Dieses war für die Küche, die Wäscherei, aber auch für eine Schlosserei, eine Tischlerei und einen Schweinestall zuständig. Für Mitte der sechziger Jahre sind als Belegungszahlen nur 34 Untersuchungs- und 11 Strafgefangene überliefert.

 

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